Frank W. Haubold:
Heimkehr

Cover von S. F. X

Seit einem rätselhaften »Ereignis« vor 8 Jahren ist das Forschungszentrum Niederlahr durch eine undurchdringliche »Barriere« von der Außenwelt abschnitten. Innerhalb der Barriere scheint die Zeit stillzustehen. Kravitz, ein früherer Mitarbeiter des Forschungszentrums, dessen Frau Miriam in der Zeitblase gefangen ist, nimmt wie jedes Jahr am Tag vor Heiligabend im selben Hotelzimmer Quartier. Ob sich wohl dieses Jahr die „Barriere“ lüften wird? Und was haben die zigarrenförmigen, superschweren Artefakte damit zu tun, die sein Forscherkollege Komarow in einem Meteoriten entdeckte – und die sich hartnäckig jeder bekannten Untersuchungsmethode widersetzen?

Frank W. Haubold hat mit »Heimkehr« eine Geschichte vorgelegt, in der er seine bekannten Stärken mit einem für ihn untypischen Thema vereint. Die Synthese ist ihm auf hervorragende Weise gelungen. Hier passt einfach alles: Eine gut gezeichnete Hauptperson, ein interessantes und zunächst unerklärliches Phänomen und dann die langsame, zielsichere Heranführung an die Lösung. Haubold präsentiert sich als einer der profiliertesten Stilisten der deutschen SF-Szene. »Heimkehr« ist spannend und farbig erzählt und geprägt von jener düster-melancholischen Atmosphäre, die das Wasserzeichen der Hauboldschen Prosa darstellt.

Während die meisten seiner SF-Geschichten im Grenzbereich zur Fantasy oder zum Horror angesiedelt sind, ist Haubold mit »Heimkehr« eine lupenreine Hard-SF-Story gelungen. Seine reiche, geradezu übersprudelnde Fantasie wird von einem wissenschaftlichen Rahmengerüst im Zaum gehalten. Der Gegensatz aus phantastischen, unerklärlichen Ereignissen und der rationalen Vorgehensweise des Helden trägt wesentlich zur Intensität der Geschichte bei. Haubold versteht es meisterlich, Figuren und Orte im Angesicht phantastischer, aber dennoch plausibler Ereignisse real und lebendig werden zu lassen. Mit disziplinierter Fantasie führt er den Leser zu einer überraschenden Auflösung, bei der das Fremde immer noch fremd bleibt.

Der Jahrgang 2007 hat mit etwa 200 deutschsprachigen SF-Storys nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht. Es sind die literarischen Qualitäten, die Frank W. Haubolds »Heimkehr« aus dieser starken Konkurrenz herausheben. Dafür verleiht das Preiskomitee den »Deutschen Science Fiction Preis 2008« in der Kategorie »Beste Kurzgeschichte«.

Dr. Ralf Bodemann
- für das Preiskomitee -


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